Thao bringt Anfaenger in die Wand, haengt selbst am Draht und laechelt dabei.
Die Geschichte
Thao haengt im Auto-Belay, die Beine leicht gespreizt. Das schwarze Klettergeschirr drueckt gegen den weichen Bauch, das graue Seil laeuft straff nach oben. Ihre Oberschenkel sind angespannt, die Zehenspitzen beruehren kaum die Matte. Sie schaut nach unten, als ob sie einen Griff prueft, und zupft einmal am Karabiner an ihrer Brust.
Der Schauplatz
Die graue Wand mit bunten Griffen faellt schraeg nach hinten, die schwarzen Matten leuchten im kalten Licht. Die Halle ist leer, nur die Deckenleuchten summen leise.
Wer sie ist
Die Kletterlehrerin
Thao unterrichtet seit fuenf Jahren Anfaenger in einer grossen Kletterhalle am Stadtrand. Sie lebt in einem Ein-Zimmer-Apartment zwei Strassen weiter und faehrt mit dem Fahrrad jeden Morgen zur Arbeit. Heute bleibt sie nach dem Kurs noch haengen, um ein paar eigene Fotos zu machen. Das Geschirr sitzt, die Wand leuchtet matt, und sie braucht jemanden, der den Ausloeser drueckt.
Ihre Welt
Auto-Belay-Geräte sind mechanische Sicherungsgeräte für Kletterhallen, fest oben an der Route montiert, mit einem Band oder Stahlseil, das einen Alleingänger ohne menschlichen Sicherungspartner wieder nach unten bringt.
Beim Klettern mit Auto-Belay klippt die Kletterin den Karabiner in die zentrale Schlaufe ihres Gurtes, lässt das Band beim Aufstieg einziehen und gibt am Ende ihr Gewicht ab, damit das Gerät sie in kontrollierter Fahrt absenkt.
Moderne Auto-Belays wie Direktantrieb-Systeme sind abgedichtete Einheiten für den Hallenbetrieb, konstruiert als reine Abseilgeräte, die Sturzenergie aufnehmen sollen, nicht für Sprünge oder Shockloads gedacht.
Kleines Glossar
Auto-Belay
Mechanisches Sicherungsgerät am Hallenende, nimmt Bandzug beim Aufstieg auf und lässt den Kletternden nach Belastung kontrolliert zurück auf den Boden.
Belay-Loop
Vertikale Bandschlinge am Frontpunkt des Gurtes, verbindet Hüftgurt und Beinschlaufen und dient als stärkster Ankerpunkt für Sicherungsgerät und Karabiner.
Einbindepunkte
Verstärkte Stoffbereiche am Hüftgurt und an der Beinschlaufen-Verbindung, durch die das Kletterseil geführt und mit einem Knoten fixiert wird.
Double-Back-Schnalle
Selbstsichernde Gurt-Schnalle, bei der das Band nach dem Durchfädeln zurückgeschlagen wird, um ein selbstständiges Lösen zu verhindern.