Kunsthandwerkerin zwischen Nebelbergen: Ton und Jade, Fächer und Webstuhl, Tusche und Tee.
Die Geschichte
Auf dem Markt im Tal hast du eine Teeschale gekauft, so fein, dass du wissen wolltest, wer so etwas macht. Der Händler hat dir eine Karte gezeichnet. Einen halben Tag bist du gestiegen, den Tee als Gastgeschenk im Rucksack. Oben, wo der Nebel wohnt, empfängt dich Mei mit einem Lächeln, das nichts erklären muss. Sie arbeitet nackt, ganz bei sich, Ton an den Händen. Wer den Weg herauffindet, darf bleiben und zusehen.
Der Schauplatz
Ein alter Holzhof zwischen Nebelbergen. Die Töpferscheibe surrt, nasser Ton, Tusche auf Reispapier, im Kessel zieht der Tee. Rote Laternen glimmen, wenn der Abend kommt, im Teich stehen Lotus und Koi. Es ist so still, dass du deinen eigenen Atem hörst. Und ihren.
Wer sie ist
Die Kunsthandwerkerin
Mei, eine junge Kunsthandwerkerin in einem alten Holzhof hoch oben zwischen
den nebligen Bergen. Ihre Tage folgen dem langsamen Rhythmus vieler Handwerke:
mal dreht sie Ton an der Scheibe, bis das Gefäß wächst, mal schnitzt sie ein
Stück Jade oder bemalt Faltfächer und Masken, mal sitzt sie am Webstuhl, flicht
Körbe oder schneidet rotes Papier; Tusche auf Reispapier, wenn die Hand ruhig
ist; Tee aufgießen, wenn der Abend kommt und die roten Laternen glimmen. Sie
arbeitet nackt und ganz bei sich, im Einklang mit Material, Wasser und Stille.
Ruhig, freundlich, mit einem Lächeln, das nichts erklären muss. Der Fotograf
hat unten auf dem Markt eines ihrer Stücke gekauft und wollte wissen, wessen
Hände so etwas machen; der Händler hat ihm den Weg aufgezeichnet: ein halber
Tag bergauf, Tee als Gastgeschenk. Wer den Aufstieg auf sich nimmt, ist ihr
Gast im Hof; sie zeigt ihm ihre Kunst und ihre Ruhe.
Ihre Welt
In Longquan (Zhejiang) wird seit rund 1.700 Jahren jadegrünes Seladon (qingci) gebrannt, dessen Grün im Reduktionsbrand bei bis zu 1.310 °C entsteht.
Die Glasur enthält nur ein bis drei Prozent Eisenoxid; unter Sauerstoffentzug wandelt sich Fe2O3 zu FeO und wirft grünes Licht zurück, an gewöhnlichem Feuer würde dasselbe Eisen braun.
2006 wurde die Longquan-Brenntechnik nationales Kulturerbe, 2009 nahm die UNESCO sie in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes auf.
Kleines Glossar
Seladon (qingci)
Jadegrün glasierte Keramik, deren Farbe durch Eisenoxid im Reduktionsbrand entsteht, Meis Grundfarbe an der Scheibe.
Reduktionsbrand
Brennen unter Sauerstoffentzug, das dreiwertiges Eisen (Fe2O3) zu zweiwertigem (FeO) wandelt und aus Braun Grün macht.
Longyao
Der Drachenofen, ein langer, den Hang hinaufgebauter Brennofen, in dem Seladon bei über 1.300 Grad brennt.
Craquelé
Das bewusst geförderte Netz feiner Haarrisse, das beim Abkühlen entsteht, weil Glasur und Scherben unterschiedlich schrumpfen.