centerfoldSTUDIO · EST. 2026

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Ani

Die Malerin

Armenische Malerin, die in ihren Bildern und in ihrem Atelier ihren eigenen Rhythmus sucht

Ani · Die Malerin

Die Geschichte

Ani sitzt auf dem umgedrehten Stuhl. Sie trägt nur noch das offene Hemd. Ihre Schenkel sind mit getrockneter Ölfarbe gesprenkelt. Das Licht von den Bogenfenstern streift ihre Hüften und lässt die Rippen leicht hervortreten. Sie atmet flach, ruhig. Ein Farbklecks liegt auf dem rechten Oberschenkel, dunkelblau, fast schwarz. Ihre Schultern sind entspannt, die Wange ruht gegen die Stuhllehne.

Der Schauplatz

Der Raum riecht nach Leinöl und kalter Luft. Durch die hohen Fenster sieht man die graue Wand des Nachbarhauses. Der Boden ist aus alten Kieferndielen, die unter den Stuhlbeinen knarren. Auf einer Palette liegt noch frische Farbe.

Wer sie ist

Die Malerin

Ani ist armenischer Herkunft, geboren in der Nähe von Rostock, lebt und malt seit acht Jahren im ehemaligen Hafenlager. Ihre Leinwände zeigen die Spuren ihrer Arbeit: Farbe an den Schenkeln, an den Handflächen. Sie hat den Malerkittel einfach von den Schultern gleiten lassen, weil ihr die Stoffreste beim Malen stören. Das Licht der Bogenfenster ist heute kühl und weich, genau richtig für ein paar ruhige Stunden vor der nächsten großen Leinwand.

Ihre Welt

  1. Der Rostocker Hafen wurde in der DDR zu einem der wichtigsten Ostseeumschlagplätze ausgebaut, die Backsteinspeicher mit Holzböden und hohen Fenstern blieben als industrielle Architektur erhalten und wurden später für Kultur und Ateliers erschlossen.
  2. Nordfenster liefern über den Tag ein relativ gleichmäßiges, kühles Licht, das Farben neutral wirken lässt, Hauttöne entdramatisiert und harte Schatten im Atelierraum vermeidet.
  3. Armenische Lebenswege in Deutschland stehen im Fokus einer eigenen Ausstellung im Museum Karlshorst in Berlin, wo Biografien und Objekte der Diaspora zwischen Herkunft und Zukunft präsentiert werden[1].
Kleines Glossar
Nordlicht
Gleichmäßiges, kühles Tageslicht aus Nordfenstern, das Farben neutral wirken lässt und ideale Arbeitsbedingungen für Malerei schafft.
Impasto
Maltechnik, bei der Farbe besonders dick aufgetragen wird, sodass reliefartige Strukturen auf Leinwand oder Holz entstehen.
Leinöl
Trockenes Pflanzenöl, das als Bindemittel für Ölfarben dient, langsam trocknet und einen zarten Glanzfilm bildet.
Diaspora
Gemeinschaft, die außerhalb ihres Herkunftslandes lebt und ihre Kultur in neuen Kontexten sichtbar hält[1][2][4].
Quellen
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